WIR STERBEN NIEMALS AUS____by www.er.schossen.de.vu
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Totgeliebt


12.August 2004

Im Freibad ist die Hölle los. Einige Kinder kreischen, andere werfen sich im Wasser den Ball zu oder Eltern rufen nach ihren Kindern, um den schönen Tag zu beenden und sie mit nach Hause zu nehmen. Dort werden sie nach dem Abendbrot ins Bett gebracht, damit sie am nächsten Tag wieder neue Energie für einen weiteren warmen Sommertag im Freibad aufbringen können. Heute denke ich darüber nach, was passiert wäre, wenn auch ich mit meinen Eltern da gewesen wäre – wenn auch meine Eltern mich gerufen und meinen schönen Tag somit beendet hätten.

Ich liege auf meinem Handtuch, als mir von der Seite ein Ball auf den Bauch geworfen wird. Sein Besitzer fällt mir sofort ins Auge. Schwarze, zerzauste Haare, recht schmal und trotzdem muskulös gebaut. Er lächelt entschuldigend, als er angelaufen kommt.
„Tschuldigung.“
An seine ersten Worte werde ich mich wohl mein Leben lang erinnern können.
„Kein Problem.“, grinse ich daraufhin und reiche ihm den Ball, der neben mir auf dem Handtuch liegen geblieben ist.
„Hast du Lust mitzuspielen?“, er lächelt einladend und deutet zu seinem Spielpartner. „Tom hat bestimmt nichts dagegen.“
„Ballspiele waren noch nie meine Stärke.“, winke ich ab und lehne mich zurück auf mein Handtuch.
„Ach komm schon. Tom und ich sind selbst total unsportlich, siehst doch, was dabei rauskommt, wenn wir einen Ball in die Finger kriegen.“, lacht er und hält mir einladend seine Hand entgegen, die mich im nächsten Moment auch schon hochzieht.
Ich kann es wirklich nicht. Aber zu meinem Erstaunen sind Tom und Bill – so hat der Schwarzhaarige sich vorgestellt – wirklich genauso unbegabt, wie ich, sodass unser „Können“ auch schon wieder lustig ist und uns durchgängig zum Lachen bringt.


19. August 2004

Mittlerweile treffe ich mich jeden Tag mit Tom und Bill im Freibad. Die ganze letzte Woche haben wir verbracht und uns näher kennen gelernt. Die beiden sind Zwillinge, was ich noch immer nicht richtig wahrhaben will, da sie sich so sehr unterscheiden. Nur wenn man richtig hinsieht, erkennt man ein paar Gemeinsamkeiten. Sie sind, ebenso wie ich, vierzehn Jahre alt, gehen allerdings auf eine andere Schule, was erklärt, warum wir uns nicht schon eher kennen gelernt beziehungsweise über den Weg gelaufen sind.

Heute ist Tom leider krank, er liegt mit 39° Fieber im Bett, während Bill und ich uns alleine einen schönen Tag im Freibad machen.
„Irgendwie gemein, dass wir uns hier amüsieren, während Tom mit Fieber zu Hause im Bett liegen muss.“, sage ich, als ich neben Bill auf meinem Handtuch liege und an meinem Eis lecke, das mir bei der knalligen Sonne über die ganze Hand läuft.
„Ach, übermorgen ist er sicher wieder gesund.“, versichert Bill, dessen Gesicht von einer übergroßen Sonnenbrille verdeckt und in meine Richtung gerichtet ist. Er weiß vermutlich nicht, dass ich merke, wie er mich immer beobachtet, wie er jede meiner Gesten aufs Genauste verfolgt und auch meinen Körper von oben bis unten mustert.
„Wieso schaust du mich immer so an?“, es ist das erste Mal, dass ich ihn darauf anspreche. Dass ich es gleich so direkt angehe, habe ich eigentlich nicht vorgehabt, schließlich ist es mir selbst unangenehm, immer wieder seine Blicke auf mir zu spüren. Doch er antwortet mir gar nicht, guckt nur weiter in meine Richtung und lächelt auf einmal so süß.
„Du hast da noch etwas Eis.“, sagt er und deutet auf meinen Mundwinkel.
„Da?“
„Warte, ich mach es dir weg.“, er setzt die Sonnenbrille ab und kommt meinem Gesicht langsam näher, streicht mir mit dem Finger über die besagte Stelle und steckt ihn sich anschließend in den Mund.
„Du bist wieder sauber.“, lächelt er und setzt sich die dicken Gläser wieder auf die Nase.
„Danke.“
„Und cremst du mich dafür jetzt ein?“, fragt er schelmisch grinsend.
Ich schüttele nur amüsiert den Kopf, nehme meine Sonnencreme aus der Badetasche und setze mich damit auf seinen Hintern. Ganz langsam verteile ich die weiße Milch auf seinem Rücken, streiche locker über seine weiche Haut, bis sein gesamter Rücken eingecremt und einen weißlichen Ton angenommen hat. Und kaum habe ich meine Hände von seinem Rücken genommen, dreht er sich ruckartig auf den Rücken, sodass ich von einem zum anderen Moment alles von ihm zu spüren bekomme.
„Bill!“, schreie ich empört, will aufstehen, doch er ist schneller, zieht mich sachte zu sich herunter und küsst mich flüchtig. Und ich erwidere den Kuss zweifellos.


4.September 2004

Heute haben Tom und Bill ihren 15. Geburtstag nachgefeiert. Es sind furchtbar viele Leute da gewesen, die die beiden aus der Schule kennen. Bis eben haben noch welche mit den beiden und mir zusammen gesessen und gefeiert, aber mittlerweile liege ich neben Bill im Bett und genieße seine Nähe. Seit dem Vorfall im Freibad, welcher knapp zwei Wochen zurück liegt, sind wir ein Paar. Wir treffen uns nahezu jeden Tag und verbringen jede freie Minute miteinander, die wir zur Verfügung haben.

Er liegt über mir, liebkost ganz sachte meinen Oberkörper, den er bereits von meinem Top entledigt hat.
„Du bist so schön.“, haucht er, während er sich von meinem Bauchnabel hoch zu meinem Dekolleté küsst. Seine Finger streifen über meine Bauchseite und jagen mir einen gewaltigen Schauer über den Rücken, der mich leicht seufzen lässt. Seine Lippen suchen sich den Weg zu meinen und fangen vorsichtig an, sie zu küssen. Ich erwidere den Kuss, drücke locker mit meiner Zunge gegen seine Lippen und bitte um Einlass, den er mir, ohne zu zögern, gewährt. Während er sich auf mich rauf setzt, zieht er mich mit hoch, öffnet meinen BH und streift mir schleichend langsam die Träger von den Schultern. Erneut fährt seine Zunge über meinen Oberkörper und lässt mich aufs Neue seufzen. Ich kralle mich, die Augen genießerisch geschlossen, ins Laken und muss leicht stöhnen, als er mir mit seiner Hand zwischen die Beine fährt. Diese neuen Erfahrungen sind so unglaublich schön, doch ich will auf keinen Fall, dass es auf das hinausläuft, worauf es hinauszulaufen scheint.
„Bill, ich kann noch nicht.“, flüstere ich und streiche ihm entschuldigend über die Wange.
„Okay.“, leicht lächelnd drückt er mir noch einen Kuss auf den Mund, ehe er mich in seine Arme aufnimmt und mit einem „Gute Nacht“ die Augen schließt, allerdings nicht aufhört, meinen Bauch zu verwöhnen, bis ich schließlich selbst einschlafe.


13.November 2004
Noch immer sind Bill und ich glücklich zusammen, wir verbringen immer noch so viel Zeit miteinander, wie möglich, manchmal gehen wir sogar gemeinsam auf Toilette. Die bisherige Zeit mit ihm ist unglaublich schön gewesen und ich habe ihn in den knappen drei Monaten wirklich lieb gewonnen.

Eng umschlungen liegen wir vor dem prasselnden Kamin bei Bill zu Hause. Heute hat er sturmfreie Bude, selbst Tom übernachtet bei einem Kumpel, sodass wir ungestört unsere Zweisamkeit genießen können.
Er liegt nur noch in Boxershorts auf mir, beugt sich leicht vor, um sachte meine nackte Brust zu küssen. Ich habe meine Beine fest um seine Hüfte geschlungen und bin in seinen Armen verhackt. Zwischen uns hätte selbst ein Blatt Papier keinen Platz mehr gefunden. Wieder lässt er seine Zunge über meinen Hals runter zu meiner Brust wandern und seufzt verlangend.
Obwohl wir schon so lange zusammen sind, haben wir noch immer nicht miteinander geschlafen, weil ich mich bis jetzt einfach noch nicht bereit gefühlt habe. Ich merke schon immer, wie schwer es ihm fällt, darauf zu verzichten – er möchte mich komplett spüren, will mich aber auf keinen Fall zu irgendetwas drängen. Doch heute ist es anders als sonst, wenn wir beisammen liegen, uns eng umschlingen und uns zum Höhepunkt streicheln.
„Ich will es tun.“, hauche ich, als er behutsam meinen Hals küsst. Sofort schaut er auf. Sein Blick wirkt leicht verunsichert, dennoch lächelt er erfreut.
„Wirklich.“, gebe ich ihm die Bestätigung und streiche leicht über seinen Hintern, um ihm nur kurz darauf die Boxershorts herunterzustreifen.
Ich seufze erregt, als seine Erregung meinen Intimbereich streift und strecke ihm verlangend mein Becken entgegen. Für ihn ist es ebenfalls das erste Mal und er wirkt ebenso wie ich furchtbar aufgeregt. Prüfend schaut er mir noch einmal in die Augen und erwidert mein Lächeln, als er ganz vorsichtig in mich eindringt. Augenblicklich schließe ich die Augen, stöhne auf – vor Schmerz und Lust zugleich. Bill will sich mir schon wieder entziehen, doch ich drücke ihn noch ein ganzes Stück näher an mich heran. Er beobachtet mich, während er anfängt, sich ganz langsam in mir zu bewegen. Schon nach kurzer Zeit verfliegt der Schmerz, wird durch die Lust verdrängt, die sich in mir ausbreitet. Bill streicht mir ein paar Haare aus dem Gesicht, bewegt sich noch ein ganzes Stück schneller in mir und schluckt schwer. Wir finden schnell einen gemeinsamen Rhythmus und ich drücke ihm noch verlangender mein Becken entgegen, als ohnehin schon.
Ich spüre seinen schweren Atem auf meiner Brust, die sich selbst schnell hebt und senkt. Meine Arme liegen auf seinem Rücken, drücken ihn noch näher an mich heran und lassen ihn mich noch stärker spüren. Bills anfänglich langsame Bewegungen werden augenblicklich schneller und unkontrollierter. Er stöhnt jedes Mal, wenn er erneut tiefer in mich eindringt, stöhnt, wenn ich ihm mein Becken entgegen strecke.
Als ich seinen Kopf weiter zu mir herunterziehe und ihn innig und intensiv anfange zu küssen, ist es vollkommen um ihn geschehen, sodass er sich laut stöhnend in mir ergießt.

„Das war wunderschön.“, flüstere ich, als er schließlich, noch immer schwer atmend, neben mir liegt und mich in seine Arme schließt. Als Antwort küsst er mich einfach nur - lässt seine Zunge zärtlich über die meine streifen.
„Tat es doll weh?“, fragt er mich keine Minute später und streicht mir sanft über die Wange.
„Nein, nur kurz am Anfang.“
„Okay.“
Wieder ein Kuss seinerseits.
„Ich liebe dich.“, haucht er, ehe ich mich in seinem atemberaubenden Geruch verliere und mit einem leisen „Ich dich auch“ einschlafe.


2.Februar 2005

„Kommst du mit Tom und mir ins Schwimmbad?“
„Hmm, nein. Ich wollte mit Sina shoppen gehen.“, mit dem Telefon in der Hand laufe ich durch den Flur in mein Zimmer, krame ein paar Klamotten hervor und lege mich anschließend aufs Bett.
„Den ganzen Tag?“, fragt Bill und sein enttäuschter Unterton macht mir schon wieder ein schlechtes Gewissen.
„Weiß nicht.“
„Magst du dann wenigstens bei mir schlafen?“
„Bill, ich muss mal schauen, ich wollte eigentlich mal wieder zu Hause schlafen.“
„Bitte, ich vermisse dich schon voll.“, er fleht schon richtiggehend.
„Wir haben uns heute Morgen doch erst das letzte Mal gesehen.“
„Bitte...“
„Ja, aber dann schläfst du bei mir okay?“
„Schön, okay.“
„Ich schreib dir nachher, wenn ich wieder da bin. Bis dann.“
„Bis dann.“
Daraufhin lege ich auf und lasse mich genervt stöhnend zurück in meine Kissen fallen. Zurzeit hat Bill eine wirklich anhängliche Art. Noch immer treffen wir uns jeden Tag, doch manchmal will ich auch einfach mal ohne ihn sein. Über ein halbes Jahr, jeden Tag die gleiche Person zu Gesicht zu bekommen, wird irgendwann auch mal lästig. Ganz anders bei Bill, der schon anruft, nachdem ich gerade mal vor fünf Minuten sein Haus verlassen hab, weil er mich schon wieder vermisst.


3.Februar 2005

„Schatz, ich will heute einfach mal was ohne dich machen. Weißt du, auf die Dauer wird es ganz schön anstrengend, jeden Tag mit derselben Person rumzuhängen.“
„Hmm.“
„Das liegt nicht an dir, ich liebe dich trotzdem über alles, es ist nur...ich will einfach mal für einen Tag ohne dich verbringen. Sei bitte nicht sauer.“
„Nein, bin ich nicht. Sehen wir uns denn morgen?“
„Ja, ich komme vorbei okay?“
„Gut.“
„Bis dann, liebe dich und wirklich nicht sauer sein, bitte.“
„Nein. Bis dann.“
Ich weiß, dass er allemal sauer ist oder enttäuscht, möglicherweise sogar beleidigt. Auf jeden Fall ist es ihm nicht recht, so etwas spürt man einfach, wenn man schon so lange zusammen ist.


27.Juli 2005

Vergiss das Turnier nicht, du wolltest doch zugucken. Liebe dich.

Die SMS habe ich Bill vor gut einer Stunde geschrieben und noch immer ist keine Antwort, nicht einmal eine Absage zurückgekommen. Mittlerweile bin ich es gewohnt, dass er zu spät oder gar nicht kommt, wenn es um meine Turniere geht, doch es ärgert mich maßlos. Schließlich spare auch ich eine Menge Zeit für ihn und seine Interessen ein, selbst, wenn ich lieber etwas anderes tun würde. Er nimmt es für selbstverständlich hin, dass ich ihm meistens bei seinem Hobby, dem Singen, Gesellschaft leiste, aber dann mal eben für 1 bis 2 Stunden bei einem Basketball-Turnier seelischen Beistand leisten, das war einfach nicht drin bei ihm.

Sorry, Schatz. Hab verpennt, beim Nächsten bin ich dabei.

Erhalte ich zwei Stunden später, kaum dass ich die Sporthalle verlassen habe. Ich schnaufe verächtlich. Wie oft hat er mir bereits geschrieben, dass er beim nächsten Spiel dabei sein würde? Und dann kommt doch wieder irgendetwas dazwischen.


3.August 2005

Gerade hocke ich alleine im Freibad auf meinem Handtuch und beobachte, wie Bill und Tom zusammen im Wasser gammeln, als sich mir ein schmächtiger Typ nähert, der ein bisschen älter aussieht, als ich.
„Hast du ein kleines braunhaariges Mädchen gesehen?“, fragt er völlig aufgelöst und dreht sich suchend um seine eigene Achse.
„Nein, tut mir Leid, wer is denn das?“
„Meine kleine Schwester – ich sollte auf sie aufpassen und als ich kurz weg gesehen hab, saß sie auf einmal nicht mehr neben mir. Sie ist erst eineinhalb, hat grade erst laufen gelernt.“
Er ist einem Herzinfarkt nahe, weshalb ich kurzer Hand aufstehe und beschließe, ihm suchen zu helfen. Weit konnte das junge Geschöpf ja noch nicht sein.
„Wie heißt sie denn?“
„Nessa.“

Und so laufen wir gemeinsam durch das halbe Schwimmbad und suchen das kleine Mädchen.
„Nessa!“, rufe ich und erblicke kurz darauf ein kleines Mädchen, welches bei dem Namen ihr Köpfchen hebt und mit großen Augen schaut, woher die Stimme gekommen ist. Als sie sieht, wie ich auf sie zugehe, quiekt sie lachend auf, stellt sich auf ihre nackten Beinchen und rennt mit knisterndem Windelpo vor mir weg. Auch ich laufe ihr lachend hinterher und schnappe sie mir im nächsten Moment.
„Stehen geblieben.“
Während mir das kleine Bündel im Arm rumzappelt, gehe ich zurück zu dem Typen, der sich noch immer so verzweifelt im Kreis dreht und gerade unter einem Handtuch nachschaut, als ich ihm entgegen komme.
„Nessa!“, schreit er, kommt auf mich zu und zieht seine Schwester in die Arme. „Ich hab dich schon überall gesucht.“
Die Kleine quiekt nur verspielt.
„Danke, echt. Hatte richtig Schiss.“, keucht er völlig außer Atem. „Wie heißt du überhaupt?“
„Nina und du?
„Jona.“


4.August 2005

Am nächsten Tag, wir sind wieder im Freibad, schließlich haben wir Ferien, creme ich Bill gerade den Rücken ein, als Nessa wieder an mir vorbei läuft.
Schnell schnappe ich sie mir und lasse Bill erstmal halb eingecremt liegen, um Jona seine Schwester zurück zu bringen.
„Wo willst du denn hin?“, ruft Bill mir hinterher und mustert Nessa argwöhnisch.
„Zu Jona, ihm seine Schwester zurückbringen.“

Und Jona liegt auch gar nicht so weit von uns entfernt und ist mehr als erleichtert, als er mich mit Nessa auf dem Arm erblickt.
„Oh man, danke – du musst echt Schlechtes von mir denken.“
„Nee nee, die Kleine ist echt flink, dafür, dass sie gerade erst laufen gelernt hat.“, lache ich.
Wir unterhalten uns noch eine ganze Weile über Nessa, bis Bill neben mir erscheint und misstrauisch den Blick zwischen mir und Jona umherschweifen lässt.
„Hey Schatz. Das ist Jona, Jona, das ist Bill, mein Freund.“, stelle ich die beiden einander vor. Jona reicht Bill sofort die Hand, die er auch zögerlich entgegen nimmt, ihn aber nur abfällig mustert.
„Ich werd dann mal wieder.“, daraufhin stehe ich auf, greife nach Bills Hand und zerre ihn zurück zu unserem Handtuch.
„Ein bisschen freundlicher hättest du schon sein können.“, zische ich und lasse mich wieder auf mein Handtuch fallen.
„Tzz. Der macht sich doch nur an dich ran.“
„Quatsch. Und wenn schon, du weißt, dass ich nur dich liebe.“
„Trotzdem.“


6.August 2005

Nur ein paar Tage später bin ich wieder mit Bill und Tom im Freibad und schiebe mir gerade genüsslich einen Keks nach dem anderen in den Mund, als Jona mit Nessa auf dem Arm auf mich zukommt.
„Hey Nina, du, könntest du mir einen Gefallen tun und eben auf Nessa aufpassen, ich muss kurz weg.“, fragt er.
Ich nicke zustimmend und ziehe die Kleine auch schon in meine Arme.
„Danke, bin gleich wieder da.“, ruft er im Weggehen und verschwindet hinter der nächsten Ecke.

Als Bill und Tom aus dem Wasser kommen, staunen sie nicht schlecht und Bill scheint schon wieder völlig aus der Rolle zu sein.
„Wieso ist dieses Baby schon wieder bei dir?“, fährt er mich an und deutet fast schon abwertend auf Nessa, die sich leicht frierend an mich rankuschelt.
„Jona musste kurz weg und hat mich gebeten, kurz auf sie aufzupassen, was ist schon dabei?“
„So ne scheiß Masche! Man, Nina, der will sich doch nur an dich ran machen.“
„Er weiß, dass du mein Freund bist.“, fauche ich.
„Ach und denkst du, das stört ihn?“, er tritt hart gegen seine Badetasche, wendet sich fluchend von mir ab und schlendert zurück ins Wasser.
Ich bleibe erschüttert zurück und schaue hilflos zu Tom, der nur ratlos mit den Schultern zuckt.


10.August 2005

Ich warte sehnlich darauf, dass Bill auf der Tribüne erscheint, als ich mich für das Basketball-Turnier warmlaufe. Er hat mir versprochen gehabt, zu kommen und ich habe ihm heute direkt nach dem Aufstehen einen Zettel neben das Bett gelegt, dass er unbedingt kommen solle, weil es ein sehr entscheidendes Spiel sein wird. Heute brauche ich einfach ein wenig Unterstützung von ihm.
Als statt Bill jedoch Jona am Tribünenrand erscheint, bin ich auch direkt ein wenig erleichtert. In den letzten Tagen haben wir uns trotz des Aufstandes von Bill ein bisschen näher kennen gelernt. Ich habe ihm von dem Spiel erzählt gehabt, bin aber nicht weiter davon ausgegangen, dass er kommen würde. Doch umso überraschter und ebenso erfreut bin ich, dass mir wenigstens irgendwer zusieht und mich anfeuert.
Ich winke ihm kurz bevor der Schiedsrichter zum Spiel pfeift.

Obwohl Bill auch nach der ersten Halbzeit noch nicht erschienen ist, verläuft das Spiel ungewöhnlich gut und ich sehe, wie mir Jona zwei Daumen hoch zeigt, als bereits die zweite Halbzeit beginnt.
Erst kurz vor Schluss schwingt die Hallentür auf und Bill erscheint am oberen Rand der Tribüne. Ich funkele ihn wütend an, während ich den Ball hart auf dem Boden prelle, an ein paar Mädels der gegnerischen Mannschaft vorbei ziehe und den Ball schließlich hart ihm Korb versenke.

Als ich nach dem Spiel aus dem Duschraum komme, gehe ich direkt auf Jona zu und ignoriere Bill gekonnt.
„Hab gar nicht damit gerechnet, dass du kommst.“, lächle ich und umarme ihn zur Begrüßung. Dabei spüre ich regelrecht Bills Blicke in meinem Rücken.
„Doch, ich musste doch gucken, wie du spielst.“, grinst Jona. „Glückwunsch zum Sieg.“
„Danke.“
Zum Abschied ziehe ich ihn nochmal in eine extra lange Umarmung und mache mich schließlich auf zum Ausgang.

„Was sollte das?“, ertönt es hinter mir und Bill zieht mich fest zu sich herum.
„Was meinst du?“
„Dieser Jona.“
„Wenigstens kommt er zum Spiel, ohne dass ich ihn auffordern muss.“, zische ich wütend und nippe an meiner Wasserflasche.
„Ich war doch auch da!“
„Die letzten drei Minuten, toll.“, fahre ich ihn an und reiße mich wieder von ihm los.
„Dann fang doch was mit diesem Jona an!“
„Man Bill, es geht mir einfach darum, dass du nicht da warst. Du hast es nicht nur einmal versprochen gehabt und selbst heute hab ich auf dich gewartet. Und nicht mal heute warst du richtig da. Diese leeren Versprechen kotzen mich einfach an. Jona ist nicht mal mein Freund, lediglich ein Kumpel und selbst er kommt.“, enttäuscht schnalle ich meine Sporttasche auf mein Fahrrad, fahre los und lasse den erstaunten Bill hinter mir zurück.


16.August 2005

Bill und ich haben uns wieder einigermaßen vertragen. Er hat sich noch am selben Tag persönlich bei mir entschuldigt und lange kann ich ihm auch nicht böse sein. Dafür liebe ich ihn einfach immer noch zu sehr. Auch wenn es zurzeit alles nicht so läuft, wie es am Anfang gelaufen ist.
Wie gesagt, ich liebe ihn noch immer, doch momentan läuft so ziemlich alles aus dem Ruder.
Die ganze Sache mit Jona – Bill ist so extrem eifersüchtig auf ihn, wir haben seit Wochen nicht mehr miteinander geschlafen, das Thema Basketball. Es sind einfach Kleinigkeiten und trotzdem können wir einfach gar nichts daran ändern – wir versuchen es zu regeln, reden uns ein, dass es wieder gut wird, aber im Endeffekt bleibt alles wie bisher. Wir hängen hilflos aneinander und wissen, dass sich irgendetwas ändern muss, damit wir nicht daran kaputt gehen - damit unsere Beziehung nicht kaputt geht.

Der Weg zu Bill fällt mir heute unglaublich schwer. Schon jetzt weiß ich, dass wir heute etwas ändern werden, allerdings weiß ich nicht, ob es sich zum Guten oder zum Schlechten wenden wird. So wie jetzt, kann es zumindest unmöglich weiter gehen.

Simone, Bills Mutter, öffnet mir freundlich lächelnd die Tür, lässt mich rein und meint, dass Bill oben sei und auf mich warte. Weshalb ich auch keine Minute später oben an seiner Tür stehe und leise in sein Zimmer eintrete. Er liegt auf dem Bett, hat die Arme hinter dem Kopf verschränkt und scheint nachzudenken. Als ich auf ihn zugehe, setzt er sich leicht auf und deutet an, dass ich mich neben ihn setzen soll. Es ist schwierig, ihm in die Augen zu schauen, seit geraumer Zeit scheinen sie so leer zu sein und gar nicht mehr so zu funkeln, wie zu Beginn unserer Beziehung – es hat sich definitiv etwas geändert.
„Hey.“, murmle ich und setzte mich mit gesenktem Kopf neben ihn.
„Hey.“
„Wie geht’s?“, frage ich leise und schaue ihm nun doch für einen kurzen Augenblick in die braunen Augen. Er zuckt nur mit den Schultern, erwidert meinen Blick. Schwer schluckend wende ich mich wieder von ihm ab.
„Wie soll es weiter gehen Bill?“, frage ich. Meine Stimme ist weinerlich, der Kloß in meinem Hals wird immer größer und die Tränen kann ich nur schwer unterdrücken.
„Ich weiß es nicht.“
Stille.
„Liebst du mich denn noch?“, setzt er hinterher und greift sachte nach meiner Hand.
„Liebst du mich noch?“
„Ja.“, er nickt überzeugt und drückt meine Hand vorsichtig.
„Ich dich auch, Bill.“, ich schaue wieder auf in seine Augen und muss schwer schlucken. „Es ist nur...unsere Beziehung kostet mich im Moment so viel Kraft, ich kann das nicht mehr.“
Langsam entziehe ich mich seiner Hand, stehe auf und fange an zu weinen. Ich habe mir vorgenommen stark zu sein, doch dieses Gespräch raubt mir den letzten Nerv – ich will ihn einfach nicht verlieren, er bedeutet mir so furchtbar viel.
„Wir versuchen immer, etwas zu bessern, versuchen immer, alles in Ordnung zu bringen...“, ich schluchze leise auf. „...aber am Ende bleibt es doch beim Alten.“
Bill steht auch auf kommt zu mir rüber und zieht mich ganz langsam in seine Arme, drückt mich an sich und gibt mir für einen kurzen Moment wieder ein wenig Halt und Nähe zurück.
„Ich will nicht, dass es vorbei ist.“, wimmere ich und drücke mich ganz fest an ihn heran.
„Ich auch nicht.“, haucht er. Seine Stimme ist brüchig und ich spüre, wie heiße Tränen über meine nackte Schulter laufen.
„Meinst du, wir werden uns trennen?“, wimmere ich und löse mich leicht von ihm, um ihm in die Augen sehen zu können. Ich beobachte, wie sich eine Träne den Weg über seine Wange sucht und sich schließlich von seinem Kinn löst.
„Sieht so aus.“, flüstert er und senkt verletzt den Blick.
Enttäuscht senke ich den Blick wieder, nicke resignierend und gehe schleichend langsam zu seiner Zimmertür. Mit einem letzten, glasigen Blick zurück schließe ich die Tür hinter mir und verlasse keine Minute später sein Haus.

Es bringt mich um...